Gespräch über ein Buch – Yoko Tawada: „Sendbo-o-te“

8. Oktober 2019

19:30 Uhr | Eintritt frei

Das „Gespräch über ein Buch“ ist eine vierteljährlich stattfindende Veranstaltung des Kulturforums am Hafen. Das jeweils angekündigte Buch sollte von allen Teilnehmern gelesen sein, um darüber zu einem Gespräch und Gedankenaustausch zu kommen.

 

In einer literarischen Analyse beschäftigt sich die von Gisela Seifert moderierte Gesprächsrunde mit der Struktur und dem Inhalt des Romans „Sendbo-o-te“ von Yoko Tawada

 

Die Geschichte spielt in einer unbekannten Zukunft nach einer Katastrophe. Japan hat alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Der „Nichtgebrauch von Dingen“ ist erstrebenswert, durch Kontamination sind die meisten Tiere ausgestorben, Pflanzen mutiert, auch die Menschen haben sich verändert. Geschlechtergrenzen verwischen sich, Kinder werden krank geboren, sind aber ausgeglichen und fröhlich, und die Alten können nicht sterben. Es gibt die jungen Alten ab 70 Jahren, die mittleren und die echten Alten, die über 100 Jahre alt sind.

 

Durch die Kinder und ihre Sichtweisen stellt Yoko Tawada vieles, was uns selbstverständlich erscheint, infrage und regt zum Nachdenken an. Die naheliegende Assoziation zu Fukushima und die historische Anspielung auf die Edo-Zeit im 17. und 18. Jahrhundert, in der sich Japan schon einmal weitgehend von der Umwelt isoliert hat, verleihen diesem fantastischen Roman einen erschreckenden Realitätsbezug.

 

Die japanische Lyrikerin und Autorin Yoko Tawada lebt seit Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und ist für ihre Werke vielfach ausgezeichnet worden. Sie schreibt und dichtet sowohl auf Japanisch als auch auf Deutsch. Ihren Roman „Sendbo-o-te“ habe sie auf Japanisch geschrieben, weil er in Japan spiele und die Veränderung der Sprache einen großen Raum einnähme, sagt Yoko Tawada. Mit der Übersetzung ihrer oft komplizierten Wortspiele durch den Japanologen Peter Pörtner sei sie sehr zufrieden.

 

Yoko Tawada: „Sendbo-o-te“
Roman
Aus dem Japanischen übersetzt von Peter Pörtner
Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2018
197 Seiten, 12,90 Euro

 

Foto: Konkursbuch Verlag